Brennende Acetylenflasche legt wegen Explosionsgefahr Bahnverkehr lahm

Nachdem wir vor ein paar Tagen ja bereits eine Kundenfrage bezüglich der Stickstoffflaschen in New York beantwortet hatten, gibt es heute eine weitere, thematisch ähnlich gelagerte Frage. Am Mittwoch erreichte uns die Mail eines Kunden, der aufgrund einer Vollsperrung des Mönchengladbacher Hauptbahnhofs durch eine in Brand geratene Acetylen-Gasflaschen dort nicht mehr weggekommen ist. Sinngemäß ging es in dieser Anfrage darum, ob dies eine solche brennende Gasflasche ausreicht, um den gesamten Bahnhof sperren zu müssen. Die Frage nehmen wir als Gasprofis natürlich gerne auf und versuchen etwas Licht in die Sache zu bringen.

Mönchengladbach HBF wurde evakuiert

Zunächst nochmal die Fakten zu den Ereignissen in Mönchengladbach vom 29. Oktober 2014: Im Laufe des Vormittags war eine Acetylen-Gasflasche bei Bauarbeiten am Mönchengladbacher HBF in Brand geraten. Aufgrund der drohenden Explosionsgefahr der Behälter wurden ca. 300 Leute aus dem Hauptbahnhof evakuiert und der komplette Zugbetrieb lahmgelegt. Zwar konnten die brennenden Gasflaschen schnell von der Feuerwehr gelöscht werden, um jedoch ein mögliches Zerbersten bzw. einen gigantischen Feuerball zu verhindern, musste die Acetylenflasche für die Dauer von 24 Stunden gekühlt werden. Entsprechend wurde die Flasche von der örtlichen Feuerwehr mit einem Spezialfahrzeug zur Kühlung unter Aufsicht in ein nahgelegenes Schwimmbad gebracht (Quelle: u.a. RP-online.de). Anhand dieses Szenarios lässt sich also schon gut erkennen, dass dies eine ziemlich ernste Situation gewesen ist. Nicht umsonst wurde das Gebäude komplett evakuiert und die Feuerwehr dürfte ziemlich lange mit der Sache beschäftigt gewesen sein.

Wie geraten Acetylen-Gasflaschen in Brand?

Wie aber kann aber eine solche Acetylen-Gasflasche in Brand geraten? Zunächst, ein solcher Acetylenbrand kann beim Autogenschweißen (Schweißen mit Gas) immer wieder mal vorkommen und dementsprechend hoch sind auch die Auflagen zur Anwendung. Worin liegt die Gefahr begründen? Beim Autogenschweißen werden Sauerstoff und Acetylen in einem Handgriff gemischt, um auf diese Weise eine höhere Temperatur zu erzeugen. Die Gefahr besteht nun vor allem in den sogenannten Rückschlägen, die durch das Abreißen der Flamme entstehen können. D.h. Sauerstoff kann sich aufgrund des unterschiedlichen Flaschendrucks – Acetylen wird flüssig in die Flasche gefüllt (ca. 7 bar), Sauerstoff wird in der Flasche komprimiert (200 bar) – in den Acetylenbehälter drücken und in der Flasche ohne den regulierenden Sauerstoff brennen. Das passiert, wenn man bei der Mischung von Sauerstoff und Acetylen (Autogenes) keine Rückschlagsicherungen (alternative Bezeichnung: Gebrauchsstellenvorlagen) benutzt oder diese defekt sind. Da die Verwendung einer solchen Rückschlagsicherung seitens des Gesetzgebers zwingend vorgeschrieben ist, kann in dem Mönchengladbacher Fall wohl eher von einem Defekt ausgegangen werden. Trotz regelmäßiger Prüfung der Gebrauchsstellvorlagen durch einen Sachkundigen besteht hier also immer die Möglichkeit der Entflammung. Dies sind im Gegensatz zu früher inzwischen zwar eher Ausnahmefälle, völlig ausgeschlossen werden kann eine solche Entflammung – wie aktuell in Mönchengladbach passiert – allerdings nicht.

Andre Gensmann, Gefahrgutbeauftragten bei BonnGas- GasProfi24.deLeider ist die Industrie bislang noch nicht den Weg gegangen, die Vorlagen direkt in die Druckminderer zu integrieren. Das wäre aus Sicht vieler Handwerker – und auch aus unserer Perspektive als Sachkundige – nicht nur ein wünschenswerter, sondern auch ein Weg in die richtige Richtung. (Andre Gensmann, Gefahrgutbeauftragter bei BonnGas und GasProfi24.de)

Weitere Informationen zum Schweißen mit Acetylen und Sauerstoff

Ich hoffe, dass dies die Kundenfrage beantwortet. Wenn Sie selbst Bedarf an einer entsprechenden Prüfung haben oder eine Rückschlagsicherung für Brenngas (Acetylen oder Propan) bzw. Rückschlagsicherung für Sauerstoff benötigen, setzen Sie sich mit uns per Mail oder telefonisch  unter: +49 228 512414 in Verbindung. Sollten Sie darüber hinaus selbst Fragen zu einem Fachgebiet aus dem Bereich Gas bzw. Gasprodukte haben, sprechen Sie uns einfach an.

Im Namen des gesamten GasProfi24-Team
SB-Unterschrift
-Inhaber BonnGas/GasProfi24-

Ähnliche Beiträge auf dem GasProfi24-Blog