GasProfi24: Kleine Schule der Gasfamilien

Gas gehört mit Sicherheit in die Reihe der Dinge, die trotz täglichem Gebrauch, in den seltesten Fällen bewusst wahrgenommen wird. Feuerzeuge, Gasgrills, Heizungen, Kochplatten und Backöfen, im Handwerk werden Gasgemische aus Butan und Propan für Löt- und Schweißgeräte. Ihnen allen gemeinsam: Sie werden mit Gas betrieben.

So selbstverständlich die Verwendung von Gas aber auch ist, so wenig wissen die meisten über die Gewinnung von Gas. Erdgas beispielsweise entsteht, wenn sich biologische Stoffe unter sauerstoffarmen Bedingungen zersetzen. Aus diesem Grund muss das Erdgas auch aus unterirdischen Quellen an die Oberfläche gefördert werden und wird weiterhin der Kategorie der fossilen Energieträger zugerechnet. Hierbei entstehen auch die sogenannten Flüssiggase (Butan und Propan), die als Nebenprodukte der Erdgasförderung gewonnen werden. Dabei erfolgt die Klassifizierung der Gase in sogenannten Familien, die in der Bundesrepublik durch den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachverbandes (DVGW) klassifiziert werden.

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Exkus zumErdgas: Fracking – Brennende Wasserhähne

Erdgas-Fracking ist schon lange Thema in den Medien. Fehlende Transparenz zu den Auswirkungen dieser Methode hat zahlreiche Bürgerinitiativen dazu veranlasst mit der Webseite www.gegen-gasbohren.de auf die Gefahren hinzuweisen. Aber was ist so gefährlich beim Erdgas-Fracking bzw. Schiefer-Fracking und warum ist diese Methode der Erdgasgwinnung so interessant? Dazu gilt es etwas weiter auszuholen. Wie zuvor bereits angedeutet, wird Erdgas bislang aus großen unterirdischen Hohlräumen gewonnen,  die angebohrt und anschließend leer gepumpt werden. Aber Gasvorräte lagern nicht nur in diesen unterirdischen Höhlen, sondern auch in porösem Gestein. Die dem Erdgasrausch verfallene USA wendet schon seit einigen Jahren die Fracking-Methode an. Mit dramatischen Folgen wie der Trailer zum US-Dokumentarfilm „Gasland“ zeigt. Krankheiten der umliegenden Bewohner, aber vor allem auch die Kontaminierung von Grund- und Trinkwasser in diesen Gegenden. Besonders erschreckend: das Leitungswasser lässt sich mit einem Feuerzeug anzünden.

Wie wird nun beim Erdgas-Fracking der begehrte Rohstoff gewonnen? Nach einer Bohrung in der vertikalen und horizontalen wird in das Bohrloch mit hohem Druck ein Wasser-Sand-Gemisch gepresst. Durch diesen Vorgang enstehen im Gestein Risse und das Gas kann entweichen. Hört sich alles nicht so schlimm an, aber das Gemisch besteht nicht nur aus Wasser und Sand, sondern ist auch mit Chemikalien versetzt. Und gerade die Auswirkungen dieser Chemikalien sind unklar. Zwar wird das Gemisch nach getaner Arbeit wieder zurückgeholt, aber ein kleiner Teil bleibt im Gestein. Laut des Wasserexperten des Umweltbundesamts Jörg Rechenberg sei es wichtig, dass bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Er schlägt zum Beispiel eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Diese neuen Gesetze sollen vor allem Transparenz für Behörden und Bürger schaffen.

Weiter Informationen zum Thema Erdgas-Fracking:

Die Familien der Stadt-, Fern- und Luftgase stellt sich vor

Historisch gesehen ist die Erdgasförderung bzw. die Nutzung von Erdgas als Energiequelle eine recht junge technische Errungenschaft. Denn noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts deckten die sogenannten Stadt- und Ferngase (alternativ auch als Kohlegase bezeichnet – Gasfamilie S) den Großteil des öffentlichen und privaten Gasbedarfs ab. Diese wurden in größeren Mengen in Vergasern erzeugt bzw. waren Nebenprodukte der Kohle- und Stahlindustrie. Dass sie durch Erdgas ersetzt wurden, liegt nicht allein daran, dass es diese Industriezweige heute kaum noch gibt, sondern ist vor allem auch in dem Umstand begründet, dass Kokereigas, Hochofengas, Wassergas oder Holzgas hohe Anteile an giftigem Kohlenstoffmonoxid enthalten. Ähnlich verhält es sich auch bei den sogenannten Luftgasen (Gasfamilie L) wie Aerogengas, deren Anwendung für Gasbeleuchtungen mit Einführung des elektrischen Lichts obsolet wurde.

Gasfamilie N – die sogenannten Naturgase

Eine weitere Gasfamilie des DVGW bilden die sogenannten Naturgase (Gasfamilie N), zu der in erster Linie die Erd- und Erdölgase gezählt werden. Gerade im Haushalt wird Naturgas als günstigste Alternative zu Öl, Strom oder Pellets verwendet und von Gasversorgungsunternehmen über ein weit verzweigtes Rohrnetz verteilt. Man unterscheidet hier zwei Gruppen: Erdgas E, womit etwa 80 Prozent der Haushalte in Deutschland versorgt werden und Erdgas LL für die restlichen Haushalte. Erdgas E hat einen höheren Wärmeinhalt und aufgrund seines sehr hohen Methangehalts (ca. 87 Prozent, neben Stickstoff sowie aus geringen Anteilen von Ethan, Propan und Butan). Weitere Einsatzgebiete: Betrieb von Wärmekraftmaschinen wie Gasturbinen und Gasmotoren (besonders in Ottomotoren ist der hohe Methangehalt wegen der Klopffestigkeit dieses Gases ein großer Vorteil, da diese ein hohes Verdichtungsverhältnis ermöglicht).

Erdgas - GasProfi24.de

F wie Flüssiggas – Gasfamilie F

Flüssiggase gehören zur Gasfamilie F und werden u.a. zum Heizen und Kochen, in Gasflaschen und Gaskartuschen beim Camping und Grillen, als Feuerzeuggas oder Kältemittel in Klimaanlagen oder auch als Flüssiggaskraftstoff verwendet. In der Regel handelt es sich hierbei um Propan oder Butan bzw. deren Gemische. Die Qualitätsanforderungen an die verschiedenen Flüssiggase werden mit der DIN-Norm 51622: „Flüssiggase, Propan, Propen, Butan, Buten und deren Gemische“ geregelt. Weitere Informationen bietet hierzu der Deutsche Verband Flüssiggas e.V.

GasProfi24 - Campingaz Butan und Propan (c) 2013 Sven Giese

Gerade beim Heizen mit Flüssiggasen spielt die Temperatur eine gewichtige Rolle. Denn bei sehr niedrigen Temperaturen – z.B. wenn im Winter Gasflaschen im Außenbereich stehen oder gelagert werden – kommt häufig Propan zum Einsatz, da sein Siedepunkt bei -40 °C. Erst darunter, also bei extremer Kälte, verändert sich der Aggregatzustand und es wird flüssig. Demgegenüber wechselt Butan schon bei 0 °C vom gasförmigen in den flüssigen Zustand und würde unter diesen Bedingungen nicht zum Heizen taugen. Weiterhin muss bei der Verwendung darauf geachtet werden, dass der Versorgungsdruck bei beiden Gasen unterschiedlich ist. Es ist deshalb ratsam, sich vor dem Kauf von gasbetriebenen Geräten bei einem Fachmann genau zu informieren. Denn Flüssiggase sind hochentzündlich und in Verbindung mit der Umgebungsluft im schlimmsten Fall sogar zündfähig. Wenn es unkontrolliert ausströmt, kann es sogar verpuffen oder explodieren. Vermeiden Sie bei Flüssiggasflaschen unbedingt Temperaturen über 40 °C!

Der richtige Umgang mit Flüssiggas

Auch wenn Sie sich gründlich informiert haben und Flüssiggas immer vorschriftsmäßig verwenden, ist Vorsicht geboten. Gas ist und bleibt bis zu einem gewissen Grad ein Gefahrengut. Wenn Sie aufgrund von Undichtigkeiten zum Beispiel einen Gasgeruch oder ein Ausströmgeräusch wahrnehmen, sind folgende Verhaltensregeln zu beachten:

  • Schließen Sie sofort alle Flaschenventile
  • Löschen Sie offene Feuer
  • Öffnen Sie sämtliche Fenster und Türen
  • Rufen Sie einen Fachmann
  • Rauchen ist strikt verboten
  • Betätigen Sie auch keine elektrischen Schalter oder ziehen Stecker

Außerdem ist ein solcher Vorfall umgehend dem Gasversorgungsunternehmen (GVU) zu melden. Eine ausführliche Gebrauchsanweisung für Flüssiggas-Flaschen finden Sie auf der Webseite unseres stationären Handels www.bonngas.de.

CC-3000 Gasmelder - GasProfi24.de

Eine klare Empfehlung vom GasProfi beim Thema Sicherheit die Verwendung eines Gasmelders. Im Dezember 2012 hatten wir Ihnen als Produkt des Monats ja bereits den Gasmelder Cordes CC-3000 vorgestellt. Dieser kleine Helfer warnt  frühzeitig vor einer Ansammlung von brennbaren Gasen. Der Hersteller Cordes verweist ausdrücklich darauf, dass der CC-3000 der neusten EN Norm 50194 entspricht und TÜV & GS geprüft ist. Der Melder wird einfach an eine handelsübliche 220V Steckdose angeschlossen egal wo sie ihn verwenden möchten. Da der Gaswarner Methan (Erdgas), Propan (Flaschengas) und Butan (Campingkartuschen) erkennt, können Sie nach dem Anschließen des Gerätes mit dem Gas eines Feuerzeuges testen, ob das Gerät einwandfrei funktioniert. Eine kleine Investition, die eine große Wirkung haben kann.

Thomas Haase von BonnGas - gasprofi24.de

Transportvorschriften für Flüssiggas

Beim Transport ist die Menge ausschlaggebend. Sie dürfen in Kraftfahrzeugen Flüssiggasflaschen nur bis 300 kg Nettomasse transportieren. Im Pkw dürfen Gasflaschen nur kurzzeitig und ausnahmsweise befördert werden, da im Pkw die Ladung nicht ausreichend gesichert werden und eine ordnungsgemäße Lüftung nicht gewährleistet werden kann.

buschProfiTipp von Sascha Busch: Eine gute Möglichkeit eine Gasflasche zu sichern ist der Fußraum hinter dem Beifahrersitz. Legen Sie Ihre Gasflasche einfach dort hinein und fixieren diese mittels Zurückschieben des Sitzes. Ein Verrutschen der Gasflasche ist so unmöglich. Achten Sie darüber hinaus auf ausreichende Be- und Entlüftung (Lüftungsgebläse an und Fenster einen Spalt öffnen).

Behandeln Sie außerdem leere Flaschen immer wie volle, da sich in ungereinigten Flüssiggasflaschen immer eine Restmenge Gas befindet. Weitere Informationen zum Thema Transportvorschriften finden Sie auch im Merkblatt des Deutschen Verbands für Flüssiggas e.V. unter folgendem Link: http://bit.ly/1jf1v6m

Fazit zur kleinen Schule der Gasfamilien

Die vorherigen Ausführungen konnten hoffentlich zeigen, dass Gas ein äußerst komplexes Thema ist und man diesem Energieträger mit großem Respekt und angemessener Vorsicht begegnen sollte. Daher gilt im Zweifelsfalle immer: Keine Risiken eingehen und vor Installation oder Inbetriebnahme lieber einen Fachmann zu Rate ziehen. Wenn Sie zu diesem Themenkomplex also Fragen haben, können Sie sich jederzeit an das Team von BonnGas/GasProfi24 wenden. Unser Mitarbeiter sind Sachkundige nach BGV D34 & G 607 und helfen Ihnen gerne mit Rat und Tat weiter.

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